DCF-Rechner
Berechnen Sie den fairen Wert einer Aktie aus ihren zukünftigen Cashflows. Der Rechner zeigt Ihnen nicht nur ein Ergebnis, sondern auch, wie stabil es ist: mit Sensitivitätsanalyse, Plausibilitätsprüfung und einem Reverse-DCF-Modus, der verrät, welches Wachstum der Markt bereits eingepreist hat. Als Startbeispiel ist der Rechner mit gerundeten Microsoft-Zahlen vorbefüllt, Stand: Juli 2026. Die Werte dienen nur der Veranschaulichung und können jederzeit durch eigene Annahmen ersetzt werden.
Gut zu wissen: Dieser einfache Free Cashflow enthält bereits Zinszahlungen. Der Rechner nutzt ihn bewusst, weil er überall verfügbar ist. Bei hoch verschuldeten Unternehmen fällt der faire Wert dadurch etwas konservativer aus.
| Barwert der Free Cashflows (Jahre 1–10) | — |
| + Barwert des Endwerts (Terminal Value) | — |
| = Unternehmenswert (Enterprise Value) | — |
| − Nettoverschuldung | — |
| = Wert des Eigenkapitals | — |
| ÷ Anzahl Aktien | — |
| = Fairer Wert je Aktie | — |
Die Matrix zeigt den fairen Wert je Aktie bei anderen Kombinationen aus Diskontierungssatz (Zeilen) und ewigem Wachstum (Spalten). Grün: Der aktuelle Kurs läge darunter. Rot: darüber.
Keine Anlageberatung. Alle Ergebnisse sind vereinfachte Schätzungen auf Basis Ihrer Annahmen. Ein DCF-Modell liefert eine Orientierung, keine Prognose.
Wie funktioniert die DCF-Methode?
Hinter der Discounted-Cashflow-Methode steckt ein einfacher Gedanke: Ein Unternehmen ist so viel wert wie das Geld, das es in Zukunft erwirtschaftet. Da ein Euro in zehn Jahren weniger wert ist als ein Euro heute, werden die künftigen Free Cashflows auf den heutigen Tag abgezinst. Die Summe dieser Barwerte ergibt den Unternehmenswert.
Genau nach diesem Prinzip bewerten Analysten, Investmentbanken und Value-Investoren wie Warren Buffett Unternehmen. Der Unterschied zu Kennzahlen wie dem KGV: Ein DCF-Modell hängt nicht davon ab, wie der Markt vergleichbare Aktien gerade bewertet. Es fragt nur, was das Geschäft selbst hergibt. Die Rechnung läuft in vier Schritten ab:
01 Cashflows prognostizieren
Ausgehend vom aktuellen Free Cashflow schätzen Sie das Wachstum der nächsten zehn Jahre, aufgeteilt in zwei Phasen. Denn kein Unternehmen wächst ewig gleich schnell.
02 Endwert bestimmen
Nach der Prognosephase fasst der Endwert (Terminal Value) alle weiteren Jahre in einer Zahl zusammen. Er unterstellt ein bescheidenes ewiges Wachstum, meist um 2 Prozent.
03 Abzinsen
Alle künftigen Beträge werden mit dem Diskontierungssatz auf heute umgerechnet. Das Ergebnis ist der Unternehmenswert, der Enterprise Value.
04 Zum Aktienwert umrechnen
Vom Unternehmenswert werden Nettoschulden abgezogen; bei Nettocash wird der Überschuss addiert. Der Rest, geteilt durch die Aktienanzahl, ist der faire Wert je Aktie.
Liegt der so berechnete faire Wert deutlich über dem aktuellen Kurs, ist die Aktie nach Ihren Annahmen unterbewertet. Liegt er darunter, zahlt der Markt mehr, als Ihre Annahmen rechtfertigen. Wie das konkret aussieht, zeigt das Microsoft-Beispiel aus dem Rechner:
So entsteht ein fairer Wert: Microsoft als Beispiel
Beispielannahmen mit gerundeten Microsoft-Zahlen (Stand Juli 2026): 71,6 Mrd. $ Free Cashflow, 15 % und 9 % Wachstum, 8,0 % Diskontierungssatz, 2,5 % ewiges Wachstum, 38 Mrd. $ Nettocash (Finanzschulden ohne Leasingverbindlichkeiten, Bilanz Juni 2025) und 7,457 Mrd. Aktien.
Woher kommen die Zahlen?
Ein DCF-Modell braucht vier Rohdaten aus dem Geschäftsbericht. Alle vier finden Sie auch aufbereitet auf Finanzportalen, sodass die Recherche wenige Minuten dauert.
Der Free Cashflow steht nicht direkt in der Gewinn- und Verlustrechnung. Er ergibt sich aus der Kapitalflussrechnung: operativer Cashflow minus Investitionen. Diese Größe zeigt, wie viel Geld nach allen notwendigen Ausgaben tatsächlich übrig bleibt. Genau deshalb ist sie ehrlicher als der Gewinn, der sich durch Bilanzierungsspielräume gestalten lässt. Schwankt der Free Cashflow stark, nehmen Sie den Durchschnitt der letzten drei Jahre.
Die Nettoverschuldung berechnen Sie aus der Bilanz: Finanzschulden minus Zahlungsmittel. Manche Unternehmen sitzen auf mehr Cash als Schulden. Dann ist der Wert negativ und erhöht den fairen Wert je Aktie.
Bei der Aktienanzahl lohnt Genauigkeit: Verwenden Sie die verwässerte Anzahl (diluted shares), die auch Aktienoptionen und Wandelanleihen berücksichtigt. Sie steht in jedem Quartalsbericht.
Das Wachstum ist die einzige echte Schätzung. Ein guter Startpunkt ist das historische Wachstum der letzten fünf bis zehn Jahre, abgeglichen mit Analystenschätzungen. Und dann eine ehrliche Frage: Was spricht dafür, dass es so weitergeht?
Diskontierungssatz und Endwert: die zwei kritischen Hebel
Zwei Eingaben bestimmen das Ergebnis stärker als alle anderen. Wer sie versteht, versteht auch, warum zwei Analysten für dieselbe Aktie zu völlig verschiedenen Werten kommen.
Der Diskontierungssatz ist die Rendite, die Sie für das Risiko der Anlage verlangen. In der Praxis wird dafür meist der WACC verwendet, der gewichtete Kapitalkostensatz aus Eigen- und Fremdkapital. Als Richtwerte haben sich bewährt: 7 bis 9 Prozent für stabile Qualitätsunternehmen, 9 bis 10 Prozent für durchschnittliches Risiko, 10 bis 12 Prozent für zyklische oder hoch verschuldete Firmen. Der aufklappbare WACC-Helfer im Rechner leitet den Satz auf Wunsch sauber nach dem CAPM her. Wie stark die Abzinsung wirkt, zeigt ein Blick auf den Zeitwert eines einzelnen Euros:
Was ist 1 € von morgen heute wert?
Barwert von 1 € bei 9 % Renditeerwartung. Genau diese Abzinsung steckt hinter jedem DCF-Modell.
Die Abzinsung ist der Zinseszins rückwärts. Beim Zinseszinsrechner wächst heutiges Geld in die Zukunft. Hier läuft dieselbe Rechnung in die Gegenrichtung: Je ferner ein Cashflow, desto weniger zählt er heute. Deshalb reagieren Bewertungen so empfindlich auf den Diskontierungssatz.
Das ewige Wachstum im Endwert ist der Vorsichtswert des Modells. Kein Unternehmen wächst für immer schneller als die Weltwirtschaft, deshalb sind hier 1,5 bis 3 Prozent üblich. Schon kleine Änderungen wirken enorm, weil der Endwert oft mehr als die Hälfte des gesamten Unternehmenswerts ausmacht. Der Rechner warnt Sie, wenn dieser Anteil über 80 Prozent steigt. Dann hängt Ihre Bewertung fast vollständig an der fernen Zukunft und verdient besondere Skepsis.
Genau wegen dieser Hebelwirkung zeigt der Rechner eine Sensitivitätsmatrix: den fairen Wert bei 25 Kombinationen aus Diskontierungssatz und ewigem Wachstum. Ein einzelner Punktwert suggeriert Präzision, die kein Modell liefern kann. Eine Spanne zeigt, wie robust Ihre Einschätzung wirklich ist.
Reverse DCF: Welches Wachstum preist der Markt ein?
Der klassische DCF hat eine Schwachstelle: Er beginnt mit Ihren Annahmen, und Annahmen schmeicheln gern der eigenen These. Der Reverse DCF dreht die Rechnung um. Er beginnt beim aktuellen Aktienkurs und fragt: Welches jährliche Cashflow-Wachstum müsste das Unternehmen liefern, damit dieser Kurs gerechtfertigt ist?
Das Ergebnis ist oft ernüchternd und genau deshalb wertvoll. Preist der Markt 20 Prozent Wachstum pro Jahr über zehn Jahre ein, während das Unternehmen historisch 8 Prozent geschafft hat, wissen Sie, wie viel Optimismus im Kurs steckt. Umgekehrt gilt: Rechtfertigt sich ein Kurs schon bei stagnierendem Cashflow, ist entweder die Aktie günstig oder der Markt sieht Risiken, die in den Zahlen noch nicht auftauchen.
Zur Einordnung: Wachstum auf Höhe der Gesamtwirtschaft liegt nominal bei 3 bis 4 Prozent. Solide Qualitätsunternehmen haben historisch oft 5 bis 9 Prozent erreicht. Dauerhafte Raten über 15 Prozent schaffen fast nur Ausnahmeunternehmen. Der Rechner ordnet Ihr Ergebnis automatisch auf dieser Skala ein und zeigt zusätzlich, wie sich das implizite Wachstum bei anderen Renditeerwartungen verändert.
Was ein DCF-Modell kann und was nicht
Die Mathematik hinter dem Rechner ist exakt. Die Eingaben sind es nicht, und daraus folgt die wichtigste Regel im Umgang mit jedem DCF-Ergebnis: Behandeln Sie es als Spanne, nie als Punktlandung.
Drei Fehler tauchen in der Praxis immer wieder auf. Erstens zu optimistisches Wachstum: Zehn Jahre lang 20 Prozent klingen nach wenig, lassen den Cashflow aber auf mehr als das Sechsfache anwachsen. Zweitens ein ewiges Wachstum nahe am Diskontierungssatz, das den Endwert künstlich aufbläht. Drittens der vergessene Schritt von Unternehmenswert zu Eigenkapitalwert: Wer die Nettoverschuldung nicht abzieht, bewertet hoch verschuldete Firmen systematisch zu teuer. Der Rechner fängt alle drei Fälle mit Warnhinweisen ab.
Eine bewusste Vereinfachung sollten Sie kennen: Der Rechner arbeitet mit dem einfachen Free Cashflow, also operativer Cashflow minus Investitionen. Darin sind Zinszahlungen bereits enthalten, streng genommen gehört in ein WACC-Modell aber der Cashflow vor Zinsen (FCFF). Der Rechner nutzt trotzdem die einfache Variante, weil jedes Finanzportal sie ausweist und der Unterschied bei moderater Verschuldung klein ist. Bei hoch verschuldeten Unternehmen fällt der faire Wert dadurch etwas konservativer aus. Ein Fehler in die vorsichtige Richtung, was zu einer disziplinierten Bewertung passt.
Und eine Grenze bleibt grundsätzlich: Ein DCF bewertet Zahlen, kein Geschäftsmodell. Ob ein Unternehmen seinen Wettbewerbsvorteil verteidigen kann, ob das Management Kapital klug einsetzt, ob die Branche in zehn Jahren noch existiert, all das steht in keiner Formel. Die Bewertung ist der letzte Schritt einer Analyse, nicht der erste.
Häufige Fragen zum DCF-Rechner
Was ist der Unterschied zwischen fairem Wert und Aktienkurs?
Der Kurs ist der Preis, den der Markt heute zahlt. Der faire Wert (auch innerer Wert genannt) ist eine Schätzung dessen, was das Unternehmen aufgrund seiner künftigen Cashflows tatsächlich wert ist. Value-Investoren kaufen, wenn der Kurs deutlich unter dem fairen Wert liegt, und nennen den Abstand Sicherheitsmarge.
Welchen Diskontierungssatz soll ich verwenden?
Für die meisten etablierten Unternehmen sind 8 bis 10 Prozent ein vernünftiger Rahmen. Je unsicherer die Cashflows, desto höher der Satz. Wer es genauer mag, leitet den WACC über den aufklappbaren Helfer im Rechner her. Wichtiger als die zweite Nachkommastelle ist, mehrere Sätze durchzuspielen. Genau dafür gibt es die Sensitivitätsmatrix.
Warum zieht der Rechner die Nettoverschuldung ab?
Der DCF ermittelt zunächst den Wert des gesamten Unternehmens, den Enterprise Value. Davon gehört ein Teil den Gläubigern. Erst nach Abzug der Nettoschulden bleibt der Wert, der auf die Aktionäre entfällt. Hat ein Unternehmen mehr Cash als Schulden, kehrt sich der Effekt um und der faire Wert je Aktie steigt.
Für welche Aktien funktioniert die DCF-Methode gut?
Am besten für Unternehmen mit stabilen, planbaren Cashflows: Konsumgüter, Software mit Abo-Modellen, Infrastruktur. Schwierig wird es bei jungen Unternehmen ohne Gewinne, bei Banken (deren Cashflow-Begriff anders funktioniert) und bei stark zyklischen Firmen, deren Cashflows um ein Vielfaches schwanken. Dort hilft der Dreijahresdurchschnitt als Basis, ersetzt aber keine Branchenkenntnis.
Was sagt mir das Ergebnis des Reverse DCF?
Es zeigt die Wachstumserwartung, die im aktuellen Kurs steckt. Damit prüfen Sie den Markt statt Ihre eigenen Annahmen: Ist das eingepreiste Wachstum realistisch, gemessen an der Historie des Unternehmens? Diese eine Frage schützt vor mehr Fehlkäufen als jede Punktschätzung des fairen Werts.
Ist das Ergebnis eine Anlageempfehlung?
Nein. Der Rechner zeigt, was unter Ihren Annahmen mathematisch folgt, mehr nicht. Ob eine Aktie zu Ihrer Situation, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikotoleranz passt, ist eine andere Frage. Für individuelle Entscheidungen ersetzt ein Rechner kein Gespräch mit einer unabhängigen Honorarberatung.
Vom Bauchgefühl zur begründeten Einschätzung
Der größte Nutzen eines DCF-Rechners liegt nicht in der Zahl am Ende, sondern im Weg dorthin. Wer die Eingaben recherchiert, beschäftigt sich zwangsläufig mit dem Geschäft: Wie viel Geld verdient das Unternehmen wirklich? Wie schnell kann es wachsen? Wie viel Schulden trägt es? Diese Fragen unterscheiden eine Investition von einer Wette auf steigende Kurse.
Probieren Sie verschiedene Szenarien durch und prüfen Sie jede Bewertung mit dem Reverse DCF gegen. Wenn Sie verstehen möchten, wie sich Ihr Vermögen über Jahrzehnte entwickelt, lohnt danach ein Blick auf den Zinseszinsrechner.
