Wer selbständig ist, hat keine betriebliche Altersvorsorge, kein Versorgungswerk, keine automatische Absicherung. Wer nichts tut, hat im Alter nichts. Das ist die nüchterne Realität – und gleichzeitig die Chance, das Thema komplett selbst zu gestalten.

Frank Michael Rommert, Autor und Finanzbildner, hat das auf die harte Tour gelernt. Ein Vermögensberater, dem er blind vertraut hatte, verschwand eines Tages spurlos. Büro ausgeräumt, Telefon tot. Der Schaden: fünfstellig. Statt sich den nächsten Berater zu suchen, hat FM sich das Thema selbst erarbeitet – und daraus ein System entwickelt, das er heute unter dem Begriff Freipunkt lehrt.

Was ist der Freipunkt?

Der Freipunkt ist der Moment im Leben, ab dem man seine Lebenshaltungskosten vollständig aus arbeitsunabhängigen Quellen bezahlen kann. Man muss dann nicht mehr arbeiten – darf es aber noch. Der Freipunkt ist keine Zahl, die der Gesetzgeber vorschreibt. Er ist eine persönliche Entscheidung und ein berechenbares Ziel.

Für Beamte kommt er mit der Pension, für Angestellte mit Rente und Betriebsrente – für Selbständige kommt er nur, wenn man ihn selbst aufbaut.

Das System dahinter: Fünf Bausteine

FM arbeitet mit einem Kreislaufmodell, das fünf Bereiche umfasst:

1. Vermögensbilanz Eine einfache Tabelle: links alle Vermögenswerte (Konten, Depot, Immobilien), rechts alle Schulden. Das Ergebnis ist das Nettovermögen – eine Kennzahl, die jeder kennen sollte und mindestens einmal pro Jahr aktualisieren sollte. Wichtig: Die selbstbewohnte Immobilie zählt nicht als Altersvorsorge. Sie wirft nichts ab, sie verursacht Kosten.

2. Flowtracking Kein klassisches Haushaltsbuch, sondern eine monatliche Reflexion der eigenen Geldflüsse. Was kam rein, was ging raus – und bringt jede einzelne Ausgabe mich meinen Zielen näher? FM macht das seit über 20 Jahren. Wer seine Muster kennt, trifft bessere Entscheidungen. Ein kostenloses monatliches Flowtracking-Angebot gibt es unter freipunkt.net/flowtracking.

3. Lebensvorschau Was kommt im Alter rein – aus Rentenanwartschaften, betrieblicher Altersvorsorge, privaten Verträgen? Und was fällt weg – Berufsunfähigkeitsversicherung, Zweitwagen, Kinderkosten? Wer beides gegenüberstellt, sieht seine Lücke. Die Lücke multipliziert mit 25 ergibt das Zielvermögen im Depot.

4. Vermögensaufbau FMs Instrument der Wahl: breitstreuende, kostengünstige ETFs. Kein Hexenwerk, aber konsequente Disziplin. Wer 50 % seines Nettoeinkommens anlegt und durchhält, kann laut Freipunkt-Rechner nach etwa 17 Jahren von Entnahmeplänen leben. Die durchschnittliche deutsche Sparquote von 10 % reicht dafür nicht – damit dauert es rechnerisch ein volles Arbeitsleben.

5. Absicherung Das ungeliebte Thema, das trotzdem erledigt werden muss: Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Testament. Dazu ein Vermögenshandbuch, in dem steht, welche Konten und Depots existieren, wie man ins Handy kommt und wer im Ernstfall handeln kann. In Deutschland schlummern Milliarden auf Konten, von denen Angehörige schlicht nichts wissen.

Einnahmen und Ausgaben entkoppeln

Der eigentliche Hebel ist nicht das Sparen allein – es ist die Entkopplung von Einnahmen und Ausgaben. Die meisten Menschen geben aus, was sie verdienen. Kommt eine Steuerrückerstattung, wird sie ausgegeben. Kommt Weihnachtsgeld, auch. Wer dagegen definiert, was ein gutes Leben für ihn kostet, und alles darüber hinaus konsequent anlegt, bringt den Freipunkt messbar näher.

Alte Verträge kritisch prüfen

Ein wichtiger Praxishinweis aus dem Gespräch: Wer private Rentenversicherungen aus den 1990ern oder frühen 2000ern hat, sollte nüchtern nachrechnen. Wie viel wurde eingezahlt – und wie hoch ist der garantierte Rückkaufwert heute? Diese Auskunft muss die Versicherung erteilen. Wenn weniger im Vertrag steht als eingezahlt wurde, und das nach Jahren mit guten Börsenjahren, ist die Konsequenz oft klar. Selbst Altverträge mit Steuerfreiheit vor 2005 sind in vielen Fällen trotzdem schlechte Verträge.

Mindset: Geld als Werkzeug

FM bringt es auf einen einfachen Nenner: Geld ist ein Werkzeug, das dazu dient, ein gutes Leben zu führen – jetzt und in der Zukunft. Wer das verinnerlicht, hört auf, Angst vor dem Thema zu haben, und fängt an, es zu gestalten.


Das vollständige Gespräch mit FM Rommert gibt es hier als Video:

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Links aus dem Gespräch:

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