Sicher anlegen, ruhig schlafen: Die wichtigsten Erkenntnisse aus unserem Community-Treffen vom 31.5.26
Wir waren acht Leute in unserer letzten Gesprächsrunde – eine überschaubare, aber genau deshalb sehr offene und persönliche Runde. Es war ein richtig guter Austausch: ehrliche Fragen, echte Erfahrungen aus dem eigenen Depot und an vielen Stellen genau die Diskussionen, die man in keinem Hochglanz-Finanzvideo bekommt. Wenn du das hier liest und dir denkst, dass dich diese Themen auch umtreiben, dann nutze beim nächsten Mal die Chance und sei live dabei.
Mitdiskutieren, eigene Fragen einbringen, von den Erfahrungen der anderen profitieren – genau dafür ist dieses Format da.

Bei unserem jüngsten Mitgliedertreffen ging es fast zwei Stunden quer durch die Themen, die viele von euch gerade beschäftigen: Wie lege ich mein Geld sicher an, ohne es von der Inflation auffressen zu lassen? Lohnen sich Einzelaktien überhaupt? Wie organisiere ich Entnahmen im Ruhestand – und worauf muss ich bei den vielen Finanz-Kanälen im Netz achten?
Statt das ganze Gespräch zu wiederholen, habe ich die wichtigsten Punkte hier zusammengefasst. Ein roter Faden zog sich durch fast jedes Thema: Es gibt an den Märkten nichts geschenkt. Jede Rendite hat ihren Grund – und oft ist sie eher zu niedrig für das eingegangene Risiko als zu hoch.
„Nur wenige Aktien tragen die ganze Rendite“
Aufhänger war ein vieldiskutierter Vortrag von der INVEST mit der bewusst zugespitzten Frage, warum ein Großteil aller Aktien das Geld der Anleger eher vernichtet als vermehrt. Dahinter steht eine Beobachtung, die in mehreren langfristigen Studien auftaucht: Ein erheblicher Teil der Einzelaktien entwickelt sich über lange Zeiträume schlechter als der breite Markt. Eine weitere große Gruppe gleicht diese Verluste gerade so aus – und nur eine kleine Minderheit der Titel zieht am Ende die gesamte Marktrendite nach oben.
Das Verblüffende daran: Diese Erkenntnis ist eigentlich das stärkste Argument für breit gestreute Indexfonds und gegen das Stockpicking. Denn wer einen ETF auf den Gesamtmarkt besitzt, hält diese wenigen Gewinner automatisch im Depot – ohne raten zu müssen, welche es sind. Und genau das Raten ist im Vorhinein praktisch unmöglich: Wer die Überflieger im Voraus erwischen will, müsste sie nicht nur rechtzeitig kaufen, sondern auch rechtzeitig wieder verkaufen, bevor sie wieder unter den Durchschnitt fallen.
In der Runde kam dazu ein sehr bodenständiger Einwand von einem Teilnehmer jenseits der 70: „Wie viele Monitore brauche ich dafür? Und wie viel Zeit? Ich will meinen Ruhestand eigentlich anders verbringen.“ Das trifft den Kern. Selbst wenn es theoretisch Wege gäbe, dürfte der Aufwand für die allermeisten Menschen in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Es ist vollkommen rational zu sagen: Ich lasse das Suchen sein und nehme die Marktrendite über breit gestreute Investments mit. Dann habe ich immer, was ich brauche.
Wer dennoch ein wenig auf Überrendite hofft, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Chancen – wenn überhaupt – eher bei kleineren, volatileren Werten liegen, die nicht ins Profil der meisten (oft älteren) Anleger passen. Eine Garantie ist auch das nicht, wie etliche aktiv gemanagte Small-Cap-Fonds in der Vergangenheit gezeigt haben.
Hier ist der sehenswerte und von uns diskutierte Vortrag von Christan W. Röhl:
Geld sicher parken: Tagesgeld, Festgeld, Geldmarkt – und Anleihen
Der größte Block des Abends drehte sich um die scheinbar einfachste Frage: Wie erhalte ich den Wert meines Vermögens, ohne es großen Schwankungen auszusetzen? Ziel ist dabei nicht irgendeine Zahl vor Steuern, sondern die Realrendite – also das, was nach Inflation und Steuern übrig bleibt. Das gelingt aktuell wieder, war aber über Jahre hinweg kaum möglich.
Wir haben die gängigen Bausteine durchgesprochen:
- Tagesgeld und Festgeld: Solide und einfach, solange man die Einlagensicherung beachtet und sein Geld auf mehrere Banken verteilt. Aktuell gibt es vereinzelt Lockangebote im Bereich von etwa 4 % – allerdings meist nur für wenige Monate, danach fällt der Zins deutlich zurück. Wer „Tagesgeld-Hopping“ betreibt, also regelmäßig zur nächsten Aktion wechselt, kann das machen – es kostet aber Zeit und Disziplin.
- Geldmarkt-ETFs: Sie orientieren sich am kurzfristigen Zinssatz und liegen derzeit spürbar unter den befristeten Lockangeboten, dafür ohne Wechselaufwand.
- Laufzeit-ETFs: Ein wachsendes Segment, das eine interessante Alternative zu Festgeld sein kann. Hier kommen nur Anleihen mit einem festen Laufzeitende in den Fonds, sodass man die zu erwartende Rendite bis zur Fälligkeit ungefähr abschätzen kann. Vorteil gegenüber Festgeld: Man kommt während der Laufzeit ans Geld und ist über viele Anleihen gestreut, statt auf eine einzelne Bank zu setzen. Nachteil: Der Kurs schwankt leicht mit den Zinserwartungen, und es bleibt ein – wenn auch durch Streuung begrenztes – Ausfallrisiko der enthaltenen Anleihen. Achten sollte man auf die Währung (Euro vermeidet Währungsrisiko), die Bonität der Anleihen und darauf, ob der Fonds ausschüttet oder thesauriert.
- Einzelne Staatsanleihen: Wer es ganz schlicht und nahezu risikolos möchte, kann auch eine deutsche Bundesanleihe direkt kaufen – ähnlich wie eine Aktie über die Börse. Hier gibt es sogar Papiere ohne laufende Zinszahlung, bei denen die Rendite allein aus der Differenz zwischen Kaufkurs und Rückzahlung zu 100 % entsteht.
Ein wichtiger Hinweis zum Thema Sicherheit der Plattformen: Zinsportale, über die man bequem Festgelder bei verschiedenen Banken anlegen kann, sind praktisch – aber gerade weil sie so beliebt sind, tauchen mittlerweile täuschend echte Betrugsseiten auf. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten lässt sich eine ganze Anmeldestrecke realistisch nachbauen. Schützen kann man sich vor allem dadurch, die Internetadresse selbst sauber einzutippen und niemals auf Links in E-Mails zu klicken.
Entnahmepläne: Warum die Reihenfolge der Renditen entscheidet
Ein Thema, das immer wichtiger wird, je näher der Ruhestand rückt: Wie hole ich mein Geld wieder heraus, ohne mir das Kapital kaputtzumachen?
Hier ist mein klarer Rat, einen verbreiteten Fehler zu vermeiden: Es ist riskant, Monat für Monat starr Fondsanteile zu verkaufen – denn wenn die Märkte fallen, verkauft man immer mehr Anteile in den fallenden Markt hinein und zehrt das Depot schnell auf. Dahinter steckt das sogenannte Renditereihenfolge-Risiko: Selbst bei identischer Durchschnittsrendite über viele Jahre macht es einen enormen Unterschied, ob die schlechten Jahre am Anfang oder am Ende der Entnahmephase liegen. Liegen sie früh, ist das Kapital deutlich schneller verbraucht.
Vermeiden lässt sich das durch eine einfache Struktur: Man plant von vornherein, was man pro Jahr braucht, und hält einen Puffer von mehreren Jahren – als Faustwert gerne fünf Jahresraten – in sicheren, planbar abrufbaren Anlagen. Erst das Kapital darüber hinaus wird am Aktienmarkt investiert. Einmal im Jahr stellt sich dann nur die Frage, woher die nächste Jahresrate kommt: aus dem Aktienteil, wenn die Märkte gut gelaufen sind, oder aus dem sicheren Teil, wenn nicht. So gerät man nie in die Zwangslage, im Minus verkaufen zu müssen.
Der Preis dafür ist überschaubar, aber ehrlich genannt: Mit dem sicher geparkten Teil ist man nicht dabei, wenn die Aktienmärkte einmal außergewöhnlich gut laufen. Einen Nachteil gibt es eben immer.
Ein ETF für alles – oder lieber modular?
Viele wünschen sich die eine, einfache Lösung. Ein sehr breit gestreuter Welt-ETF, der neben den großen Industrieländern auch Schwellenländer und kleinere Werte abdeckt, ist dafür eine grundsolide Wahl – günstig, breit aufgestellt und für die meisten Anleger völlig ausreichend. Wie es ein Kollege in einem unserer Interviews einmal formulierte: Als einziger Fonds reicht so etwas locker für die „Schulnote 1 minus“, und eine 1 plus braucht der normale Anleger schlicht nicht.
Spannend war ein Blick hinter die Kulissen: Manche dieser sehr breiten Fonds führen tausende Einzelwerte – tatsächlich investieren sie über ein „optimiertes Sampling“ aber in deutlich weniger Titel als angegeben, und die kleinsten Positionen sind mit praktisch 0,00 % gewichtet. Die Vorstellung, dadurch in „tausende Unternehmen“ investiert zu sein, ist also ein Stück weit eine Illusion: Diese Mini-Positionen könnten allesamt ausfallen, ohne dass es im Kurs auffiele. Das ist kein Mangel des Konzepts – die wenigen Gewinner sind ja dabei –, aber gut zu wissen.
Wer gezielt kleinere Unternehmen oder eine andere Ländergewichtung möchte, kann auch modular vorgehen und einen klassischen Welt-ETF mit einem Schwellenländer-, Europa- oder Small-Cap-Baustein kombinieren. Das macht etwas mehr Arbeit, gibt aber mehr Kontrolle. Beides ist legitim – die richtige Antwort hängt davon ab, wie viel man sich kümmern möchte.

Die teuersten Fehler passieren im Kopf
Ein Teilnehmer steuerte eine Anekdote bei, die viel über typische Denkfehler verrät: Eine Bekannte wollte ihren gut gelaufenen Welt-ETF nicht weiter besparen, weil sie darauf bereits „100 % Gewinn“ hatte – frisches Geld, so ihre Logik, würde ja ihre schöne Prozentzahl „kaputtmachen“. An der tatsächlichen Vermögenssituation ändert das natürlich nichts; es sieht nur auf dem Papier besser aus. Eine klassische Milchmädchenrechnung.
In dieselbe Kategorie gehört der hartnäckige Glaube, man könne kurz vor der Ausschüttung eine Aktie kaufen, die Dividende „mitnehmen“ und danach risikolos wieder verkaufen. Übersehen wird dabei der Dividendenabschlag: Der Kurs sinkt um etwa den ausgeschütteten Betrag. Auch hier gilt: Es gibt nichts geschenkt.
Besonders kritisch sahen wir die Mechanik moderner Trading-Apps. Wenn einem ständig „Hot Stocks“ und Tagesgewinner präsentiert werden, entsteht fast zwangsläufig der Eindruck, das eigene, breit gestreute Depot sei „langweilig“ und man verpasse etwas. Diese Listen zeigen Aktien aber meist erst, nachdem sie schon stark gestiegen – und damit oft schon heiß gelaufen – sind. Ähnlich wirken Übersichten, die das eigene Portfolio nach Anlageklassen aufschlüsseln und so suggerieren, man müsse „noch breiter“ in Einzelaktien, Rohstoffe oder Derivate streuen. Das alles sind subtile Anstöße, die regulierte, sinnvolle Standardanlage zugunsten von mehr Handel zu verlassen. Dass der Zugang zu riskanten Hebelprodukten heute viel niedrigschwelliger ist als früher, macht das nicht ungefährlicher.
Finanzbildung oder Finanzunterhaltung?
Daran schloss sich eine Diskussion über die vielen Finanz-Kanäle im Netz an. Unser Eindruck, bewusst ohne einzelne Namen: Vieles, was als „Finanzbildung“ auftritt, ist im Kern eher Unterhaltung. Reißerische Überschriften – „Darum habe ich verkauft“, „Noch zwei Wochen bis zum Crash“, spektakuläre Wetten auf fallende Kurse – erzeugen Klicks, vermitteln aber selten etwas, das einen langfristig zu einem besseren Anleger macht. Im Gegenteil: Wer öffentlich vorführt, wie er große Summen auf fallende Kurse setzt, kann Zuschauer zu unüberlegten Reaktionen im eigenen Depot verleiten.
Das heißt nicht, dass alle Formate schlecht sind. Es gibt durchaus Stimmen, die das Marktgeschehen kompetent einordnen und Hintergründe sauber erklären. Nur sollte man die Erwartung trennen: Wer reguläre Marktrendite anstrebt und langfristig investiert, zieht aus täglichen Einzelaktien-Analysen meist keinen echten Mehrwert – und sollte sich von zu viel Marketing („nur noch heute“, „jetzt zuschlagen“) und von Renditeversprechen ohne Angabe des Zeitraums nicht beeindrucken lassen.
Was als Nächstes kommt
Zum Abschluss ein kurzer Ausblick auf das, woran wir gerade arbeiten:
- Die nächste Walz & Beutler-Folge unseres Quartalsformats widmet sich (voraussichtlich) Anleihen-ETFs, inklusive der hier angesprochenen Laufzeit-ETFs.
- Geplant ist außerdem ein Gespräch mit einem Vertreter eines bekannten Anbieters „aktiver Indexfonds“, die mittlerweile auch als regulär handelbare ETFs verfügbar sind (Dimensional) – mit einem Blick auf Kostenstruktur und Performance.
- Beim Thema Vorsorge entsteht gerade ein kompakter Überblickskurs, der Schritt für Schritt zeigt, wie man Vorsorgeverträge liest und einordnet – von der privaten Rentenversicherung über klassische Verträge bis zum Altersvorsorgedepot.
Wie immer gilt: Wir verkaufen keine Produkte, arbeiten ohne Provisionen und ohne Affiliate-Links. Es geht uns darum, dass ihr selbst die besseren Entscheidungen treffen könnt. Und wenn es an den Märkten einmal turbulenter wird, ist so eine Community oft mehr wert als in ruhigen Zeiten – dann hat man jemanden, mit dem man sich austauschen kann, bevor man aus dem Bauch heraus handelt.
Mitglied werden und beim nächsten Treffen dabei sein
Diese Treffen sind unserer Community vorbehalten. Als Mitglied bekommst du:
- Teilnahme an den exklusiven Mitgliedertreffen – live mitdiskutieren und Fragen stellen
- Zugang zu den Aufzeichnungen, falls du nicht live dabei sein kannst
- Austausch in der Community zwischen den Treffen
Dieser Beitrag fasst einen internen Austausch in der Community zusammen. Er stellt keine individuelle Anlageberatung dar. Genannte Konditionen, Zinssätze und Fondsdaten sind Momentaufnahmen und können sich jederzeit ändern – prüft sie vor einer Entscheidung bitte selbst.

