Wachwechsel bei den Fonds, Krypto-Steuer und ein Renditeversprechen im Faktencheck
Im letzten Livestream habe ich wieder ein paar Themen mitgebracht, die aktueller kaum sein könnten: Wie sich das Verhältnis von aktiven und passiven Fonds gerade verschiebt, was Donald Trumps Krypto-Millionen mit der geplanten Besteuerung von Kryptogewinnen bei uns zu tun haben – und warum du bei einem selbsternannten „Nr. 1 Bitcoin-Experten“ mit 25–40 % Rendite pro Jahr sehr genau hinschauen solltest.
Hier bekommst du die wichtigsten Punkte zum Nachlesen. Und weil das ja mein roter Faden ist: Bei fast allem läuft es am Ende auf die eine Frage hinaus – wo kommt das Geld her?
Der Wachwechsel: aktiv gegen passiv
Zum Start eine Statistik, die ich spannend finde. Schaut man auf das kumulierte Nettomittelaufkommen von US-Aktienfonds, sieht man seit vielen Jahren einen deutlichen Verfall bei den aktiven Fonds. Die Leute steigen dort immer weiter aus und gehen in passive ETFs – teilweise auch in aktive ETFs. In den USA ist inzwischen zum ersten Mal mehr Kapital im passiven Lager als im aktiven. Der Wachwechsel ist dort also in vollem Gange.
In Europa sieht das noch ganz anders aus. Hier sind die aktiven Fonds nach wie vor klar in der Überzahl, auch wenn der passive Anteil wächst. Dass die USA schon so weit sind, hat mich in dem Ausmaß ein bisschen überrascht – die Richtung selbst aber nicht. Die Statistiken darüber, wie aktive Fonds gegen ihre passiven Pendants abschneiden, sind eben weiterhin ernüchternd.
Dimensional-ETFs jetzt frei an der Börse
Passend dazu ein Rückblick auf mein Gespräch mit Lukas Schneider, dem Deutschlandchef von Dimensional. Deren Fonds sind eher aktive ETFs – sie bilden die Märkte also etwas anders ab als der klassische Index, ausgerichtet an bestimmten Marktprämien. Einen großen Mehrwert hat das in der jüngeren Vergangenheit nicht gebracht, aber es ist eine nachvollziehbare Alternative für alle, die damit rechnen, dass klassische Index-ETFs auch mal über eine längere Periode schlechter laufen können.
Das Interessante: Bis vor Kurzem kam man an diese Fonds fast nur über akkreditierte Berater. Jetzt gibt es die ersten Tranchen ganz normal an der Börse – mit Kosten von rund 0,2 bis 0,44 %. Ein kleiner Praxishinweis noch: Bei manchen Neobrokern (etwa Trade Republic) waren einzelne Dimensional-ETFs zuletzt noch nicht handelbar. Schau also vorher, ob das, was du kaufen willst, bei deinem Broker überhaupt verfügbar ist.
👉 Das komplette Gespräch mit Lukas Schneider: https://youtu.be/I9Bf7VkRf-8?si=UqmyWZGiJEnUfmy8
Und wie immer der Hinweis: Das ist keine Kauf- oder Anlageempfehlung, sondern nur eine von mehreren Möglichkeiten.
Trump, Krypto-Millionen – und die neue Besteuerung
In einem Finanzbericht wurden Donald Trumps Einnahmen offengelegt, und kryptotechnisch ist er ganz schön dabei. Allein rund 635 Millionen Dollar sollen aus dem Verkauf von Memecoins stammen – überwiegend dem Trumpcoin, dessen Kursverlauf typisch für viele Memecoins war: erst hoch, dann der Abverkauf, keine Erholung. Die Einnahmen daraus sind allerdings sehr real. Dazu ein Bitcoin-Wallet im Wert von etwa 50 Millionen Dollar, was für seine Verhältnisse fast schon Kleingeld ist.

Link zum Handelsblatt-Artikel: https://www.handelsblatt.com/politik/international/usa-trump-legt-milliardeneinnahmen-aus-kryptogeschaeften-offen/100237023.html
Viel wichtiger für dich ist aber, was gerade bei uns passiert: Kryptogewinne sollen künftig wie Kapitaleinkünfte besteuert werden. Bislang gilt für Krypto – ähnlich wie bei Gold – eine einjährige Spekulationsfrist: Wer länger als ein Jahr hält, kann den Gewinn steuerfrei realisieren. Genau dieser Vorteil soll wegfallen.
Offen ist noch vieles, und darauf solltest du achten:
- Bestandsschutz? Bleiben Altbestände verschont, so wie Aktien, die vor 2009 gekauft wurden? Oder fällt der Schutz weg?
- Rückwirkender Stichtag? Denkbar wäre, dass bestehende Bestände ab einem Stichtag steuerpflichtig werden. Dann müsstest du überlegen, ob es sinnvoll ist, deinen noch steuerfreien Bestand vorher zu verkaufen und neu einzusteigen.
- Verlustverrechnung? Wenn künftig Steuerpflicht besteht, greift im Gegenzug auch die Möglichkeit, Verluste zu verrechnen.
Fix ist noch nichts, und ich bin selbst kein Krypto-Investor. Aber wenn du Bestände hast, lohnt es sich, die konkrete Umsetzung sehr genau zu verfolgen. Übrigens sollen auch Steuern auf Spirituosen und Alcopops (nicht auf Bier und Wein), auf Tabak sowie eine Zuckersteuer kommen.
Der Finfluencer-Check: 25–40 % Rendite „ganz einfach“?
Und damit sind wir bei dem Teil, der mir besonders am Herzen liegt. Mir wurde eine Anzeige eingespielt: „Deutschlands Nr. 1 Bitcoin-Experte“ verspricht 25 bis 40 % Rendite pro Jahr durch eine „Marketmaker-Methode“ – 30 Minuten pro Tag, ohne Vorerfahrung, ohne mathematisches Geschick, „jeder kann es“. Das geheime Wissen gibt’s natürlich für 0 Euro im kostenlosen Webinar.
Genau hier lohnt sich der nüchterne Blick. Ein paar Dinge, die dir helfen, so etwas selbst einzuordnen:
Rechne die Versprechen einfach nach. Auf der Seite steigt eine Kurve von 100.000 € auf 931.000 € „wie an der Schnur gezogen“ – angeblich über 20 Jahre. Nur passt das mit den behaupteten 25 % pro Jahr überhaupt nicht zusammen: 100.000 € mit 25 % über 20 Jahre landen rechnerisch bei rund 8,6 Millionen Euro, nicht bei knapp einer Million. Und die im Vergleich gezeigten 8 % (ETF) ergeben über 20 Jahre etwa 466.000 € – die Skala ist so gewählt, dass der ETF künstlich schlecht aussieht. Die Grafik stimmt hinten und vorne nicht.
Achte auf Pseudo-Qualitätssiegel. Ein TÜV-Siegel oder ein Verbands-Siegel klingt seriös, hat aber oft nichts mit dem eigentlichen Inhalt zu tun. Solche Siegel gibt es für Büroorganisation oder Buchhaltung – nicht als Gütesiegel für ein Renditeversprechen.
Lies das Kleingedruckte. Unter dem Versprechen steht oft ein Sternchen: „persönliche Erfahrungswerte, keine Garantie, kein Renditeversprechen.“ Damit kann man fast alles behaupten – und du kannst eben nicht davon ausgehen, dass es sich wiederholt.
Der Punkt ist nicht, dass kostenlose Webinare per se unseriös wären. Unseriös sind die Versprechen: eine planbare, wiederholbare, hohe Rendite ohne Vorwissen – das ist nicht einhaltbar. Und beim Traden verlieren die allermeisten am Ende Geld.
Falls du an dieser Stelle etwas zum Schmunzeln brauchst: Der Satire-Account „SektenTrainer“ nimmt die teils fast schon religiöse Bitcoin-Rhetorik der Szene aufs Korn. Absolute Geheimempfehlung, wenn du auf X unterwegs bist.
👉 SektenTrainer auf X: https://x.com/SektenTrainer/status/206980613984423145
Kurz notiert: Scalable Hybrid-ETF jetzt mit Gebühr
Der Scalable-Hybrid-ETF, der herkömmliche ETFs schlagen wollte, kostet seit dem 12.6. Gebühr – die Einführungsphase mit 0 % ist vorbei. Ich habe ihn seit Auflage im Januar 2025 mal gegen den iShares MSCI ACWI verglichen: Stand jetzt liegt der Scalable mit rund 21,4 % einen Tick vor dem klassischen ACWI mit 20,47 %. Ein massiver Vorsprung war aber auch nie versprochen – und wie immer hängt viel davon ab, mit wem man sich vergleicht.

Quelle: https://extraetf.com/de/
Neues Tool: Monte-Carlo-Simulation für deine Entnahmephase
Aus einem Mandat heraus kam die Frage nach einer Monte-Carlo-Simulation für den Entnahmeplan – ein Zugang dazu fehlte mir bislang. Also habe ich mir mit KI-Unterstützung selbst eines gebaut und stelle es dir kostenlos zur Verfügung.
Du kannst dort erwartete Rendite und Volatilität deiner gesamten Vermögensallokation einstellen, Startkapital, Startalter, jährliche Entnahme und Zeithorizont festlegen und sogar einen Crash-Stresstest zu einem bestimmten Zeitpunkt einbauen. Auch eine Immobilie, die du in ein paar Jahren verkaufst, lässt sich berücksichtigen. Heraus kommt eine Wahrscheinlichkeit, mit der dein Plan aufgeht – inklusive bestem und schlechtestem Szenario.

👉 Zum Rechner: https://www.investiertinwissen.de/monte-carlo-simulation-entnahmeplan/
Kleiner Realitätscheck dazu: „Kostenlos für dich“ heißt nicht kostenlos in der Erstellung. Solche Tools zu bauen kostet echte Rechenleistung – aber genau dafür ist der Kanal ja da.
Leserfrage: Wohnriester-Bausparvertrag ins Altersvorsorgedepot
Zum Abschluss eine Frage, die mich per Mail erreicht hat und die viele betreffen dürfte: Ein Leser hat einen Wohnriester-Bausparvertrag, der durch eine geänderte Lebenssituation obsolet geworden ist – kein Eigenheim mehr in Sicht, der Vertrag also praktisch nutzlos. Kann man das angesparte Vermögen samt Förderung zulagenunschädlich ins neue Altersvorsorgedepot übertragen?
Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen. Du bist den Vertrag damit los und kannst über das Altersvorsorgedepot weiter effizient Vermögen aufbauen – mit Zulagen und Steuervorteilen, und die Zusatzrente lässt sich später zeitlich befristet wählen. Die wohnwirtschaftliche Verwendung entfällt in dem Moment, in dem du den Wohnriester verlässt.
👉 Alle Details im Blogartikel: https://www.investiertinwissen.de/das-neue-altersvorsorgedepot-was-riester-sparer-jetzt-wissen-muessen/
Zum Schluss
Es kommt gerade viel zusammen – neue Steuerregeln, verschobene Kräfteverhältnisse bei den Fonds und jede Menge Marketing, das mit unhaltbaren Versprechen arbeitet. Genau deshalb finde ich diese Community so wichtig: als Gegengewicht zu vielem, was da draußen in die falsche Richtung läuft.
Ich bin unabhängiger Honorarberater: keine Provisionen, keine Affiliate-Links, keine Produktempfehlungen. Wenn dir das hilft, lass gern ein Like da und abonniere den Kanal. Bis in Kürze!

